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#Viajosola – als Frau reisen

Für jene die es noch nicht mitbekommen haben: In Ecuador wurden zwei Backpackerinnen vergewaltigt und ermordet, doch ihr Tod hat mehr als nur Trauer ausgelöst.

Die zwei Frauen waren 21 und 22 Jahre alt und wollten die Welt sehen. Im Jänner reisten sie los und im selben Monat war ihre Reise auch schon wieder vorbei. Sie wurden in einem Plastiksack, erstochen am Strand entdeckt. Wie die Untersuchungen ergeben haben, wurden sie vor ihrem Tod vergewaltigt. So ein Fall ist leider nichts Neues, doch das was dieser Fall ausgelöst ist neu: eine Debatte darüber, ob Frauen alleine reisen sollten oder nicht.

topelement

Marina Menegazzo und María Coni. (Bild: http://www.buzzfeed.com/Facebook)

Nach dem es bekannt wurde kamen als allererstes Fragen wie „Was hatten sie an?“, „Warum waren sie alleine unterwegs?“, „Sie waren in einer gefährlichen Gegend, ist doch klar das sowas passiert, oder?“, oder „Sie sind doch selber schuld, oder?“ auf. Doch kaum einer fragte nach den Tätern. Den Frauen ging das Geld aus, und 2 Männer boten ihnen an, bei ihnen zu übernachten, was ihnen zum Verhängnis wurde – leider. Ich selbst bin bei solchen Angeboten immer skeptisch, doch ich habe auch schon bei Fremden übernachtet, manchmal alleine, manchmal mit einer Freundin.

Es macht mich wütend, wenn ich lese Frauen seien an sowas selber schuld, da sie „zu freizügig“ gekleidet wären. Soll man am Strand denn als Frau von nun an in Skimontur herumrennen? Oder sie seien selber schuld, weil sie fremden Männern vertraut hätten. Oder sie seien selber schuld da sie ohne männliche Begleitung gereist sind. Denn sie sind es nicht.

Schuld sind lediglich jene, die andere mutwillig verletzten. Keine Frau auf dieser Welt hat jemals eine Vergewaltigung oder gar ihren Tod, durch ihr Aussehen oder ihr Benehmen provoziert. Selbes gilt natürlich für Männer – aber bleiben wir bei diesem konkreten Fall. Wohin führt es, wenn wir fremden Menschen nicht mehr vertrauen dürfen? Oder gar, wenn Frauen nahegelegt wird, nicht mehr alleine zu reisen, weil sie Frauen sind?

Der Fall ist grauenhaft- vergewaltigt und erstochen. Kaum einer kann sich die Qualen die diese beiden Frauen durchmachen mussten vorstellen – doch Angst schüren ist definitiv falsch. Es sollte nicht abhängig vom Geschlecht sein, ob und was man von der Welt sieht und was nicht. Auf Twitter posten viele Frauen unter #viajoSola Bilder von sich – von allen Orten auf dieser Welt.

Doch als Frau bekommt man das nicht nur bei Reisen in ferne Länder mit. Fast täglich teilt mir jemand mit „sei bitte vorsichtig“ oder „pass auf dich auf“. Auch wenn ich abends ausgehe, werde ich entweder nach Hause begleitet oder muss meinen Freunden eine Nachricht schreiben sobald ich zuhause bin. Einerseits ist es ja wirklich süß wie sehr sie sich sorgen und sich Gedanken um mich machen, doch bei meinen männlichen Freunden ist das nicht der Fall. Ich fragte einige von ihnen, und die meisten von mir bestätigten mir: um sie macht man sich weitaus weniger sorgen. Frauen werden oft als schwaches Opfer dargestellt, Männer als starke, brutale Täter – kein Wunder das man sich da Sorgen macht. Auch wenn ich nicht glaube, dass sich in der Welt wirklich was ändern wird, sollten sich Frauen weiterhin möglichst Angstfrei in der Welt bewegen.

#viajoSola

4 replies »

  1. Habe selbst zweimal direkt erlebt das Verschulden bei den Getöteten gesucht und gefunden wurde. Denke das es so einfacher ist und höchstens kurzes Nachdenken erfordert. Tut hier jedesmal wieder aufs neue weh so etwas zu hören. Mehr Verdrehung ist nicht möglich.

    LG

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  2. „Frauen werden oft als schwaches Opfer dargestellt, Männer als starke, brutale Täter“ – leider oft genug dann nicht, wenn’s angebracht wäre…zum beispiel in einem fall, wie diesem. da wird plötzlich victim blaming vom feinsten betrieben…unfassbare geschichte…wenn ich bedenke, dass ich, wenn ich alleine reise, eigentlich noch immer bei mir völlig fremden menschen übernachte, ist das gleich doppelt gruselig…

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  3. Der Aufhänger des Textes ist wahrlich gruselig, dennoch musste ich am Ende wieder schmunzeln, als mir meine beste Freundin durch den Kopf schoss. Ich habe sie zwar schon nach Hause begleitet, aber eigentlich ist sie es, die mich jedes Mal bittet, wenn ich mich des Nachts von ihr verabschiede, dass ich ihr schreiben soll, wenn ich zu hause angekommen bin.

    Ich teile deine Ansicht, dass die Schuld bei den falschen Personen gesucht wird und dass der Weg nicht heißen kann, Frauen nur noch in Begleitung und Vermummung reisen zu lassen. Dann müsste man jedem Menschen, der sein Leben für die Freiheit riskiert auch vorhalten, dass dies riskant sei und er selbst schuld sei, wenn er stürbe. Wie frei wir dann heutzutage in Europa wären (oder jemals gewesen wären), das bleibt dann aber die Frage…

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