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Horrorstory: Prison

Horrorgeschichte: Gefängnis

Ein Gefängnis ist für mich ein Ort, an dem Menschen durch das Rechtssystem, und nur durch das Rechtssystem bestraft werden. Natürlich ist das Rechtssystem dort nicht die vorherrschende Macht, sie wird dort durch Beamte, Wachen uvm. ausgeführt. Sie unterliegen eigentlich ebenfalls dem Rechtssystem. Und nutzen ihre Machtposition aus. Nicht alle, aber viele.

Vorab möchte ich sagen, dass es bestimmt Ausnahmen gibt, dass nicht alle gleich sind. Aber die Geschichten die ich da erfuhr waren einfach nur Horror. Na gut, aber fangen wir mal von vorne an. Im Rahmen einer Arbeit hatten wir die Beziehung der Beamten und der Insassen einer JVA in Wien als Forschungsgebiet ausgewählt. Wie das ganze ablief war irgendwie, naja unglaubwürdig und inszeniert. Zumindest kam uns das so vor. Wir interviewten nicht nur die Insassen, sondern auch die Beamten. Es war so gespielt, und so übertrieben. Die Insassen durften wir nicht einmal alleine interviewen, da musste ein Beamter anwesend sein. Man merkte, dass er nicht all das sagte was er sagen wollte. Ständig wurde betont wie gut die Beziehung sei.

Der Chef dieses Etablissements hatte es sehr eilig, alles so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Am Liebsten wäre es dieser Person gewesen, wenn wir alle Interviews an einem Tag geführt hätten. Das war auch irgendwie seltsam. Wir redeten uns aber mehrere Gründe für dieses Verhalten ein. Trotzdem, wir blieben misstrauisch, und das zurecht wie sich später herausstellen sollte. Uns war klar, dass wir dort nichts herausfinden würden, da die Insassen ständig unter Beobachtung stehen. Wir brauchten Personen die im Gefängnis gesessen sind, aber mittlerweile schon draußen sind. An dem Tag, an dem wir uns aufmachten um diese Personen zu finden, brachte sich ein Insasse in einer JVA um. Er war in einer Videoüberwachten Zelle und konnte sich trotzdem umbringen. Einfach, weil kein Beamter da war. Wofür dann die Videoüberwachung, wenn sie nicht einmal verwendet wird?
Wir suchten, wurden schnell fündig, ein Pärchen, beide ehemalige Insassen. Beide waren in 2 Gefängnissen. Da ich nicht ihre wahren Namen nennen möchte, nenne ich Sie Franz und Sissy. Als Dankeschön für ihre Zeit und Ihre Geschichten, luden wir sie auf mehrere Biere ein. Franz und Sissy sind seit 2 Jahren ein Paar, sie lernten sich nach ihrer Zeit im Gefängnis kennen. Man merkte vor allem bei Sissy, wie sehr sie sich freute mit anderen Menschen zu sein, und sagte auch immer wieder wie sehr sie sich freuen würde wenn wir uns wiedersehen könnten. Beide hatten / haben ein Alkohol und Drogenproblem – leider. Sie sind wirklich nette Menschen, die auf die schiefe Bahn geraten sind, und sprachen relativ offen mit uns. Wieso Franz in Stein war, wissen wir nicht. Das sagte er uns nicht, und wir wollen ihm auch nichts unterstellen, daher stellten wir keine Hypothesen auf, und beließen es einfach bei der Unwissenheit. Wir filmten das Interview auch, durften aber nicht alles filmen, wie z.B den Teil seiner Geschichte, auf die Frage wie er die Beziehung zwischen Beamten und Insassen einschätzen würde ( Gedächtnisprotokoll ):

Scheiße. Na also ein paar Nette kanns ja geben, aber viele sind’s nicht. Vielleicht ist es ja heute anderst, das weiß ich nicht. Aber damals nicht. Wennst nicht gmacht hast was die wollten, dann wars das. Du wurdest geschlagen, bliebst eingesperrt oder schlimmer. Du musstest denen in den Arsch kriechen um das zu überleben. Einmal hab ich zurückgeredet, danach nie wieder. Man muss sich anpassen, sonst geht nichts. Als ich zurückgeredet hab kam ich dann sofort in die Sauna-Zelle, die ist alles andere als Thermenspaß. Das ist ein Raum, da können sie die Fußbodenheizung so extrem aufdrehen, dass du dir die Füße verbrennst. Keine Sitzmöglichkeiten. Nur in der Mitte dieser Pflock, an dem du dich festhalten musst um den Boden nicht zu berühren. Oder du gehst im Kreis. Anhalten oder im Kreis gehen. Mehr konntest nicht machen. Wie gesagt, danach hab ich nie wieder zurückgeredet. Ich habe versucht so zu sein wie dies wollten, damit sowas nicht nochmal passiert. Und auch der Arzt bekommt da nichts mit. der kommt ja einmal die Woche, aber nicht automatisch zu jedem. Und wenn dann mal einer verprügelt wurde, dann kam er halt erst die Woche drauf zum Arzt, damit die blauen Flecken bis dahin halt weg sind. Ich mein, es gab auch gute Momente im Häfn, die ich nicht missen will. Aber das hing dann von den anderen Insassen ab und nicht von den Beamten.

Das sitzt, ordentlich. So etwas zu erfahren ändert die Sichtweise total. Mein erster Gedanke war, was für Menschen müssen das sein, die das anderen antun? Natürlich sitzen die meisten Insassen im Gefängnis, weil sie etwas verbrochen haben. Aber die Wärter und Beamten, sollten zumindest nicht so sein. Meiner Meinung nach, gehört jemand der einen anderen so verletzt ebenfalls ins Gefängnis. Absichtlich jemanden verletzen ist ganz einfach nicht in Ordnung, egal unter welchen Bedingungen. Natürlich stumpft man nach einiger Zeit ab, aber so etwas gehört bestraft. Sissy erzählte uns von ihrem schlimmsten Moment:

Ich war abhängig, brauchte alles. Und weil ich einfach irgendwann zu faul wurde jeden Tag zu Apotheke zu gehen um mir mein Zeug zu besorgen, habe ich irgendwann am Schwarzmarkt eingekauft. Immer mehr und immer mehr. Irgendwann habe ich dann auch gestohlen, um mir das halt leisten zu können, dann wurde ich auch verhaftet. 10 Tage verbrachte ich dann in einer Zelle, zuerst verprügelten sie mich, dann schlossen sie mich ein. Ich habe Fehler gemacht, klar. Aber ich brauchte auch Hilfe. Also haben mich die Bullen verprügelt und dann weggesperrt. Ich war abhängig, lag in meinen eigenen Ausscheidungen, Essen und Trinken wurde mir hin und wieder reingeschmissen. Kein Arzt, keine Dusche, keine Hilfe. Erst nach 10 Tagen wurde mir dann geholfen, ich glaub ich wäre da drinnen gestorben ansonsten. Was ich auch arg fand war, die haben einen auch psychisch gequält. Wenn du da drinnen bist,  freust du dich über jeden Brief, auch wenn nur drinnen steht “ Hallo du ich vermisse dich“. Manchmal haben die einem die Briefe absichtlich mehrere Wochen nicht gegeben. Reiner Spaß für die.

So behandelt man keinen Menschen. Das ist die reinste Folter. Ja klar, Fehler macht jeder, aber einfach einsperren und leiden lassen, macht mich sprachlos. Wirklich sprachlos. Was ist los in unserem Rechtssystem? Wieso müssen so viele ihre Position und Macht missbrauchen? Haben die Menschen denn mittlerweile kein Gewissen mehr?
Es gibt auch ein sehr interessantes Experiment, das „Milgram-Experiment„, indem es darum ging, zu schauen wie weit Personen gehen, wenn es ihnen befohlen wird. Ein „Lehrer“ musste seinem „Schüler“ ( der nur ein Schauspieler war) bei jeder falschen Antwort einen Elektronischen Schlag geben, die Intensität erhöhte sich bei jeder falschen Antwort. Von 40 Personen, gingen 26 bis 450 Volt, also tödlich. Es ist interessant und schockierend wie weit die Menschen gehen, ohne in ein Konflikt mit ihrem Gewissen zu geraten.

edit: über diese „Sauna-Zelle“ habe ich mittlerweile schon mehrere Geschichten gehört, auch das die Insassen angekettet werden, und teilweise von Stunden über Wochen da drinnen sind. In dieser Zelle gibt es auch ein Becken, welche als Toilette benutzt wird.

Keep your Head up – and your Heart strong.

19 replies »

  1. Im Knast gibt es zwei Sorten,
    Drogenabhängige (Freiwillige Therapie)
    und
    Zwangsdrogenabhängige (Zwangstherapie)
    Jeder Bulle sagt es offen: “wir brauchen keine gesunde Menschen”
    Sie betreiben Nicht rechtsgültige Rechtsgeschäfte, weil das Einverständnis einer oder gar beider Seiten nicht gegeben ist.
    Ohne die Willenserklärung des Menschen ist es nicht möglich, diesem Rechte zu übertragen, da dann die Rechtsgültigkeit des dazu erforderlichen Rechtsgeschäftes nicht gegeben ist.
    Unterlässt der Mensch jedoch die Ausübung positiver Rechte, womit das Einverständnis des Menschen nicht gegeben ist, so kann niemand dem Menschen solche Rechte übertragen.
    Die Normengesetzgebung schränkt die Möglichkeit, eines Rechtsgeschäftes (hier Handelsrecht), also der Übertragung von Rechten ein auf Rechtssubjekte, welche die Kriterien der Geschäftsfähigkeit erfüllen.

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  2. Tragisch und traurig zugleich. Was mich irritiert ist die Einleitung:

    „Ein Gefängnis ist für mich ein Ort, an dem Menschen durch das Rechtssystem, und nur durch das Rechtssystem bestraft werden. Natürlich ist das Rechtssystem dort nicht die vorherrschende Macht, sie wird dort durch Beamte, Wachen uvm. ausgeführt. Sie unterliegen eigentlich ebenfalls dem Rechtssystem. Und nutzen ihre Machtposition aus. Nicht alle, aber viele.“

    Natürlich werden Menschen durch die Justiz und geltendem Recht bestraft, sollte es anders sein? Das Rechtssystem ist nur so gut, wie es der Mensch macht. Es hat in deiner Ausführung aber den Anschein, als ob das Rechtssystem für die konkreten Fehler verantwortlich ist und nicht die Menschen/Wärter in ihrer Position. Das beschriebene Handeln und die damit verbundene Machtposition steht aber in keinem Zusammenhang mit bspw. § 22 StVG oder der VZO iSd 1.4.

    Ansonsten ein guter Beitrag mit einem hohen Diskussionspotential. Die Beschäftigung mit diesem Thema ist interessant und gesellschaftlich wichtig.

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  3. Die geschilderten Erlebnisse sind wirklich schockierend und haben mit Resozialisierung etwa nichts zu tun. Dennoch fände ich es überaus spannend, die Wärter-Sicht-der-Dinge zu erfahren. Ich denke (ohne dies als Entschuldigung zu sehen), dass solche Behandlungsmethoden innerhalb der Wärter-Gesellschaft schnell eine Eigendynamik entwickeln. Angenommen, man arbeitet im Knast – kommt frisch aus der Ausbildung und erlebt seine ersten Tage innerhalb der eingeschworenen Gemeinschaft: Hat man die Stärke, als Neuling (der seine Position in der Gruppe erst finden muss) Klartext zu sprechen und sich gegen derlei Umgang mit den Häftlingen auszusprechen? Oder adaptiert man die vorgelebten Verhaltensweisen um innerhalb des Kollegenkreises anerkannt zu werden?
    Sich als Wärter von Anfang an gegen die offenbar alltäglichen Erniedrigungen der Häftlinge zu positionieren verlangt eine psychische Stärke, die viele sicher nicht haben (wobei dann selbstverständlich die Frage erlaubt ist, ob sie den richtigen Beruf ergriffen haben).

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    • Ich habe ebenfalls Wärter interviewt – die meinten ihr Verhältnis zu den Gefangenen ist super, dass sich alle gern haben. Die wahrheit wäre da viel interessanter, als das Bild das uns gemalt wurde.
      Sicher gibt es viele gute Menschen die als Wärter arbeiten, nur was habe ich bis jetzt viel anderes gehört 😦

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  4. Der Strafvollzug sollte einmal der Resozialisierung dienen. Das war ja in der Realität, so weit ich weiß, nie wirklich der Fall. Bei einer solchen Behandlung kann man ja nur rückfällig werden. Ein Indiz dafür, dass der alte Spruch, das Gefängnis mache die wirklich gefährlichen Verbrecher, doch einen gewissen Wahrheitsgehalt haben könnte.

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    • Ich glaube der Spruch trifft größtenteils zu, zumindest die meisten. Ich kann mir gut vorstellen, dass man nach seinem Aufenthalt in einem derartigen Gefängniss einen unglaublichen Hass auf den Staat entwickelt und alle dazugehörigen Staatsorgane.

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  5. Was stimmt mit dieser Welt denn nicht? Das kanns ja nicht sein, das menschen die eh schon bestraft werden ( vermutlich zurecht) dann nur noch mehr gequält werden und im Endeffekt vermutlich das vertrauen in die Menschheit verlieren.

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