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What to do with a drunken surgeon?

Was soll man mit einem betrunkenen Chirurgen machen?

Wir sind doch alle nur Menschen und machen alle unsere Fehler? Doch kann oder soll man jedem seinen Fehler vergeben? Es gibt viele Menschen, die sich in Positionen befinden, in denen sie eigentlich fast schon über unser Leben bestimmen können. Doch die sind auch nur Menschen, oder?

Ich hatte gerade eine Diskussion mit einer Freundin, die nicht glauben wollte, dass Ärzte auch nur Menschen sind. Ich nehme hier wirklich nur Beispiele aus dem Gesundheitswesen, da diese es meiner Meinung nach am besten zeigen und ich hier den besten Bezug habe. Zurück zu unserer Diskussion, sie erzählte mir davon, dass sie glaubte ein Arzt wäre einmal bei der Visite alkoholisiert gewesen. Ja kommt vor, hat denn noch nie jemand ungeplant zu tief ins Glas geschaut? Solange er keine Entscheidungen treffen, operieren oder sonstiges machen muss, ist es ja noch nicht gefährlich. Eigentlich. Ob ich es richtig finde, fragte sie mich. Natürlich nicht. Es geht nicht nur darum, dass die Person Arzt/Krankenschwester/Pfleger oder was auch immer ist. Nur glaube ich nicht, dass diese Person dafür bezahlt wird betrunken in die Arbeit zu kommen. Aber wie gesagt, kann vorkommen, wir sind ja alle nur Menschen.

Look at the stars beneath my feet
Remember rights that I did wrong

Ich kenne Ärzte die betrunken oder eher mit viel Restalkohol im Blut operieren. Ich kenne Kinder die von einem betrunkenen Arzt auf die Welt gebracht worden sind. Bis jetzt hatten sie alle Glück, dass nichts passiert ist. Doch woran liegt das? Stumpft man so ab? Wird man sich der Routine so sicher, dass man glaubt alles problemlos zu schaffen? Wird der Stress so groß, dass man einfach diesen Ausgleich benötigt? Vielleicht ist es keiner dieser Gründe, oder alle, ich weiß es nicht. Ich bin mir sicher, keiner von uns möchte von einem betrunkenen Arzt operiert werden, aber was tun wenn man keine andere Wahl hat? Dann nimmt man was man kriegen kann. Ich wurde selbst Zeuge davon. Eine Frau brach sich die Nase, und war selber schon ziemlich betrunken. Überall war Blut, es war ekelhaft. Der Arzt, der auch da war, der zu dem Zeitpunkt ironischerweise auch ihr „Saufkompane“ war, reagierte schnell, und man hatte plötzlich das Gefühl er ist wieder nüchtern. Blitzschnell holte er seine Arzttasche und verarztete die verwundete Frau. Ich war sprachlos. Irgendwas wurde da freigesetzt (vermutlich Adrenalin) und dank diesem Hormon oder was auch immer, gelang es ihm das Richtige zu tun. Gut, man kann wirklich nicht behaupten, dass es sich hier um einen Notfall handelte. Aber trotzdem, ich war sprachlos.

I’m not calling for a second chance,
I’m screaming at the top of my voice.

Ein Arzt hat genauso Recht auf Freizeit, Spaß und Fehler wie alle anderen. Irren ist menschlich, Fehler machen auch. Nur mit dem Unterschied, dass sie bei Ärzten oftmals ganz andere Konsequenzen haben, als bei „nicht-Ärzten“. Das Hauptproblem hierbei ist, dass der Arzt die Möglichkeit hat, Gott zu spielen. Er kann über Leben/Tod/alles dazwischen entscheiden. Sein Urteil ist essentiell für den Patienten.  Das bedeutet, er muss nicht nur die Konsequenzen für sich selber tragen, sondern auch die eines anderen Lebens. Und vermutlich auch dessen Umfelds. Hier schleicht sich vermutlich ein Feind rein: die Routine. Die Routine wird leicht und schnell zu unserem Feind. Wenn man glaubt, eine Sache wirklich gut beherrschen zu können, verliert man immer mehr den Respekt davor, finde ich. Ein Freund von mir glaubt, er sei so ein guter Autofahrer, und fährt mindestens einmal pro Woche mit seinem Auto betrunken nach Hause, einfach weil er meint es so gut zu können. Eine andere Freundin, musste nach einer durchzechten Nacht und 3 Stunden Schlaf, die Pralinen für 100 Gäste vorbereiten. Gut verletzen konnte sie dabei nur sich selbst, aber sie war so routiniert, dass sie auch glaubte es ohne Probleme zu schaffen. Die Routine schlich sich hier überall rein. Sie hatten bis jetzt Glück. 2 Freunde von mir verloren schon ihren Führerschein und ihr Auto, weil sie sich betrunken ihrer Sache zu sicher waren.

Give me reason, but don’t give me choice,
Cos I’ll just make the same mistake again.

So, und jetzt zu etwas, was ich am meisten aufregt. Fast alle Menschen behaupten, nachdem sie einen Fehler gemacht hatten, sie seien nur Menschen. Was soll das bedeuten? Ist der Mensch zu Fehlern prädestiniert? Fehler sind normal, keine Frage. Fehler passieren schneller und leichter als wir glauben. Doch wieso benutzen wir dieses „Nur“? Ich bin nur ein Mensch. Oder auch sehr beliebt: Ich bin nur ein Mann. Eine Frau habe ich dafür lustigerweise noch nie sagen hören: Ich bin nur eine Frau. Wieso sollte ich vielleicht einmal herausfinden. Dieses kleine Wort, macht den der es benutzt ebenfalls klein. Als würde diese Person sagen wollen, sie könne nichts dafür und sei unschuldig, durch ihre Prädestination Fehler zu machen. Wirklich, wir alle machen Fehler. Die Fehler sind auch von Kultur zu Kultur verschieden, sie sind einfach zum Teil Gesellschaftsbedingt. Aber ist der Sinn eines Fehlers nicht draus zu lernen, anstatt zu versuchen die Schuld bei irgendjemand/irgendetwas anderem zu suchen?

Look at the stars
Look at the stars, falling down,
And I wonder where, did I go wrong.

Meistens muss nun Mal, erst einmal was passieren damit wir einen Fehler sehen. Die Polizei kommt ja auch nicht, wenn wir sie anrufen und sagen, da wäre jemand der uns Angst macht. Aber dann, wenn etwas passiert ist, ist sie da. Ein Arzt lernt vermutlich auch erst, wenn es zu spät ist und der Fehler begangen wurde. Selbes gilt natürlich für alle anderen genannten Beispiele. Denn im Endeffekt, sind wir alle nur Menschen, oder?

Keep your Head up – and your Heart strong

3 replies »

  1. ist ein schwieriges thema, über das ich mir auch schon gedanken gemacht habe. natürlich, die menschen, die im gesundheitswesen arbeiten, sind auch nur menschen. dennoch sind ihre fehler und unachtsamkeiten schwerwiegender als die der meisten anderen. ich habe schon schlimme dinge gehört, die passiert sind, nicht weil der arzt betrunken, sondern unaufmerksam war. nicht zugehört hat. sich seiner sache zu sicher war. einige der personen müssen für immer damit leben – andere leben nicht mehr. das ist einfach schlimm. zu vermeiden ist es natürlich leider nicht. man kann nur hoffen, dass man selbst glück hat.

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    • Natürlich, die Konsequenzen tragen nicht nur sie, sondern andere, meistens unschuldige. Aber wir selber nehmen oft auch das Risiko auf uns, wenn wir ins Krankenhaus gehen, ins Flugzeug steigen, oder einfach morgens unser Bett verlassen, das uns etwas passiert… Glück spielt hier definitiv eine essentielle Rolle 😉

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