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Dresscode: Gericht

Ich stehe wirklich selten vor dem Spiegel und überlege mir „was ziehe ich heute an?“. Ich ziehe das an, wonach mir ist und fertig. Doch an dem Tag war es anders. Ich stand vor dem Spiegel und stellte mir die Frage: „Was sollte ich als Angeklagte anziehen?“.Man soll anziehen worin man sich wohlfühlt. Etwas, womit das Gericht nicht beleidigt wird und dass dem eigenen sozialen Status entspricht. Also entschloss ich mich für eine Jeans, Stiefelletten und ein einfaches, schlichtes, schwarzes Oberteil. Es schien jeder zufrieden mit meiner Kleidungswahl.

Der Kläger, der langsamauf die 70 zugeht wollte wohl „fetziger“ aussehen und entschied sich für einen Jogginganzug, der mindestens so alt war wie er selbst. Er war bunt, grell,hatte ein grauenhaftes Muster und schmerzte in meinen Augen. Ich hätte zugerne ein Foto von diesem „Outfit“ gemacht – doch ich entschied mich es zu lassen. Wirklich, wer zieht einen Jogginganzug vor Gericht an? Ich hatte so viele gemeine Gedanken in meinem Kopf, die mehr seinen Jogginganzug als seine Persönlicheit betrafen. Unsere Kleiderwahl war genau so unterschiedlich wie die Versionen die wir erzählten. Hier war meine Version:

Am Mittwoch den 29. Oktober 2014 befand ich mich gegen 13:00 Uhr auf dem Weg nach Hause. Ich fuhr auf der Brünnerstraße Stadtauswärts, fuhr über die Kreuzung Stammersdorferstraße drüber, um danach links in die Friedrich- Manhart Straße einzubiegen. Ich setzte den linken Blinker und wurde langsamer, bis mein Auto zum Stillstand kam. Ich bemerkte dass ein Auto aus der Friedrich-Manhart Straße auf die Brünnerstraße abbiegen wollte, kann mich aber nicht erinnern gesehen zu haben, dass ein Blinker betätigt war. Das Auto stand relativ weit in der Mitte der F.-M.-Straße, weswegen ich beim Einbiegen so weit rechts wie möglich fuhr. Genau in dem Moment in dem ich von der Vorrangstraße (Brünnerstraße) in die F-M-Straße einbog, rollte/fuhr der andere ebenfalls Lenker in die Kreuzung. Ich nahm an das er mich sieht, und sein Auto rechtzeitig zum Stillstand bringt. Ich bog ein, hielt mich sehr weit rechts, doch da der andere Fahrer losfahren wollte als ich im Begriff war einzubiegen, fuhr er mir hinten links auf. Ich bog rechts in die Nebenfahrbahn der Brünnerstraße um den Schaden zu begutachten und wartete darauf, dass der andere Fahrer ebenfalls kommt. Weder sein Fahrzeug, noch meines waren stark beschädigt. Es handelte sich nur um ein paar „Schönheitsfehler“. Der andere Fahrer stieg aus, und war ebenfalls erleichtert, dass kein großer Schaden entstanden ist. Ich holte einen Unfallbericht aus meinem Fahrzeug, und wir Rillten ihn zusammen aus. Während ich den Bericht ausfüllte, telefonierte ich kurz mit Herrn Franz Dittel, um meine Versicherungsnummer zu erfragen. Als ich den anderen Fahrer darauf Aufmerksam machte, das die Schuldfrage noch zu klären sei, meinte er sei schuld, denn da stünde eine Nachrangtafel die er nicht wirklich beachtet hat. Er teilte mir noch mit, er würde direkt am darauffolgenden Tag zu seiner Versicherung gehen, um mitzuteilen dass er Schuld sei, damit der Schaden repariert werden kann.

Doch nicht nur unserer Kleidungsstil und Versionen des Unfallhergangs waren total unterschiedlich, auch unser Verhalten vor Gericht. Während er sprach saß ich still da und beobachtete lediglich. Ich verdrehte nicht die Augen, schüttelte nicht fassungslos den Kopf oder sonst was. Ich saß einfach da. Während ich befragt wurde, schnaufte der gute Mann, gab ständig laute und Wörter wie „ach so ein Blödsinn“. Ich konnte ihn leider nicht sehn da ich mit dem Rücken zu ihm stand, aber in meiner Phantasie gestikulierte er  herum.

Am 21.12.2015 habe ich den nächsten Termin, ich bin und bleibe gespannt wie dieses (für mich) total sinnlose Verfahren ausgeht.

Keep your Head up – and your Heart strong

10 replies »

  1. Ohje…solche Sachen. Na ich hoffe, dass das für dich keine weiteren Folgen haben wird und das der Mann womöglich einfach nur sehr vergesslich ist…es ist traurig, wenn solche Banalitäten zu einem Streit werden, gerade wenn man glaubt, dass eine friedliche Einigung erzielt werden könnte.

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      • Na hoffentlich entscheidet der Richter zu deinen Gunsten. Schon traurig, ich bin immer froh, wenn man so etwas einfach untereinander klären kann, aber offensichtlich muss man doch jedes Mal die Polizei rufen… *kopfschüttel*

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