Reisen

Sextourismus in Tunesien

Wenn man mal alleine als Frau ( oder nur in Begleitung einer anderen Frau war) in Tunesien war, wird man sofort verstehen was ich meine. Dicke, dünne, schöne, hässliche, alte und junge Frauen zieht es in die afrikanischen und arabischen Länder um sich einen Mann zu suchen. Da viele Männer dort, genau auf solche Frauen hoffen, klappt dies auch sehr gut. Ich habe das auch gemerkt. Ich flog mit einer Freundin nach Tunesien, ohne genaueres über das Land zu wissen. Der Plan war es, einige Tage in Tunis zu verbringen und einige Tage in Hammamet. Natürlich wussten wir, das wir uns in einem arabischen Land befinden, uns also nicht zu aufreizend anziehen sollten, aber das wars dann auch schon.

Der Flug Wien-Tunis war nicht nur verdammt billig, sondern auch wirklich angenehm. Nicht überfüllt, das Essen war gut und die Stewardessen wirklich sehr freundlich. Als wir in Tunis ankamen, wurden wir gleich von allen Seiten von Taxifahren und dubiosen Männern angesprochen. Sie alle wollten uns irgendwo hinfahren. Gentlemen wie sie waren, nahmen sie auch ungefragt einfach unsere Koffer. Wir waren total überfordert! Dass es so mühsam wäre, haben wir uns nicht erwartet. Ob wir schlussendlich in einem „richtigen“ Taxi saßen oder nicht, kann ich nicht sagen. Er brachte uns aufjedenfall an unser Ziel. Wir kannten uns noch überhaupt nicht mit der Währung aus, aber mehr als 5€ kostete die Fahrt nicht. Wir wohnten im Hotel „La Maison Blanche“ ein 5-Sterne Hotel, das relativ zentral lag. Es war ein wenig abgewohnt, aber sehr günstig und wunderschön! Für den ersten Tag hatten wir geplant, einfach Mal durch die Gegend zu spazieren und zu schauen, wohin uns unser Weg führte.

Lustigerweise führte uns unser Weg in den Zoo. Da das Wetter so schön war, gingen wir auch sofort rein. Zuerst dachten wir, das Ticket hätte Unmengen gekostet, doch ich glaube wir zahlten weniger als 1€. Und das merkte man drinnen auch. Ich war so schockiert, dass ich keine Fotos machen wollte & konnte. Einige Tiere lagen tot in ihren Käfigen. Andere waren sichtlich krank. Viele Gehege waren heillos überfüllt. Große Raubkatzen waren mindestens zu 2 in einem winzigen Käfig untergebracht. Zustände, die man kaum in Worte fassen kann. Es ist eine andere Kultur, in denen Tiere kaum eine Bedeutung haben. Das waren die schlimmsten Zustände eines Zoos die ich bis dato gesehen habe. Man muss auch hinzufügen, nicht nur die Tiere waren interessant wie es scheint. Die Einheimisches nahmen ganz entspannt ihre Handys und Kameras zur Hand und machten ohne uns zu fragen Fotos von uns. Einige verfolgten uns auch während wir durch den Zoo spazierten. Aber gut, was soll’s. Wir machten die Haarfarbe meiner Freundin dafür verantwortlich, denn sie ist von Natur aus rothaarig.
Der Markt der Medina

Der Markt der Medina

Café des délices - Sidi Bou Said

Café des délices – Sidi Bou Said

Sidi Bou Said

Sidi Bou Said

Am Hafen

Am Hafen

Sidi Bou Said

Sidi Bou Said

Die nächsten Tage verbrachten wir damit zu gehen – sehr viel zu gehen. Wir erkundeten die Stadt doch nur tagsüber. Man hat uns davon abgeraten abends oder Nachts unterwegs zu sein. Größtenteils hielten wir uns auch dran. Wir gingen Abends meist nur zum Supermarkt, der gerade einmal drei Minuten entfernt war, doch verliefen uns beim Rückweg immer. Wirklich immer. Wir brauchten jedes Mal eine Stunde nach Hause. Wir gingen in die Altstadt, zum Markt und sahen und Sidi Bou Said an. Wir wurden sehr oft angeschaut – aber nur selten angeschaut. Wir waren eine Attraktion, die man sich nicht traute anzusprechen – zum Glück. Tunis ist einfach wunderschön und verdammt günstig. Da wir nicht zum shoppen da waren, kann ich nicht sagen wie die Preise beim Gewand ist, aber das Essen und der Supermarkt waren sehr günstig. Abends fuhren wir meistens mit dem Taxi, obwohl wir wussten, dass uns der Taxifahrer unser Geld aus der Tasche ziehen will. Natürlich meinte ich damit, dass er uns immer den Nachtzuschlag dazugerechnet hat, auch mitten am Tag. Da es sich dabei um 20 Cent handelte, war uns das aber recht herzlich egal.

Am Tag der Abfahrt, machten wir uns mit einem Taxifahrer aus, dass er uns nach Hammamet bringt, da Bus & Bahn sehr umständlich gewesen wäre. 30€ hat uns der Spaß gekostet, also 15€ für jeden. Für eine Stunde fahrt wirklich günstig. Als wir im Hotel auf das Taxi warteten, steckte mir ein junger Angestellter seine Nummer zu, obwohl wir nicht einmal die selbe Sprache gesprochen haben. Unser Taxi kam, es war ein Freund des anderen Taxifahrers. Naja egal, er konnte Englisch und war nett. Auf der Autobahn hielt er plötzlich auf dem Pannenstreifen und nahm sein Taxischild ab. Das war gruselig. Aber er erklärte uns, dass Taxis ihre Stadt eigentlich nicht verlassen durften. Wir kamen zu früh im Hotel an.

In Hammamet angekommen, waren wir zu früh im Hotel. Das Personal war unfreundlich als wir sagten, dass wir kein All inclusive haben. Unser Zimmer nicht fertig. Also gingen wir spazieren, wir sagen uns die nähere Umgebung an und das Hotel. Wir mussten feststellen, dass die meisten ihr Hotel tatsächlich nicht verlassen. Auf der Straße sahen wir noch ein paar andere Touristen, aber eher wenige. Wir wurden von allen Straßenverkäufern angesprochen, und generell von allen Leuten. Das Wetter war wundervoll und wir wollten an den Strand. Am Strand angekommen, war auf einmal der Himmel bewölkt. Nagut, dann nicht. Wir spazierten weiter herum und gingen schließlich zurück ins Hotel zurück. Unser Zimmer war fertig und naja – ganz ok. Die Klimaanlage funktionierte nicht, und generell war es sehr interessant. Wir legten uns an den Pool, da es schon relativ spät war und wurden sofort von einem Animateur angesprochen. Er erzählte uns von seinem Freund, der uns toll fand. Nagut, treffen wir sie halt, wir haben sowieso nichts zu verlieren.

Wir tranken zusammen und gingen aus. Ganz heimlich, denn die Animateure dürfen dass ja eigentlich nicht. Obwohl wir wussten, dass uns vorallem der jüngere ein wenig ausnützte, beschlossen wir es zu ignorieren, da es sich wirklich nicht um viel Geld handelte. Es war total lustig, doch wir merkten auch wie eifersüchtig und besitzeigreifend die Männer sind. Es bedurfte einer Diskussion um ihnen zu erklären, dass wir auch zu 2 alleine auf die Toilette gehen konnten, ohne ihre Hilfe zu benötigen. An dem Abend erzählten sie uns auch, dass wir das schlechteste Zimmer erhalten haben, weil uns die Dame an der Rezeption nicht mochte.

Der Strand

Der Strand

Unser Zimmer

Unser Zimmer

Aussreiten im Nirgendwoe

Aussreiten im Nirgendwo – die Pferde waren wirklich arm.

Quadfahren in der Wüste

Quadfahren in der Wüste

Die wohl ekelhafteste Pizza aller Zeiten

Die wohl ekelhafteste Pizza aller Zeiten

Die Putzfrauen waren wirklich toll, für ein wenig Trinkgeld verstreuten sie Blüten im Zimmer und machten das Ganze einfach nett. Das Frühstück im Hotel war dafür wirklich schrecklich. Nach einer lustigen Partynacht war es schwer in der Früh aufzustehen, vorallem als wir das Frühstück dann sahen. Da hätten wir eigentlich auch weiterschlafen können.Aber gut, wo wir schon wach waren, konnten wir den Tag auch ausnutzen. Wir spazierten ins ca. 13 Kilometer entfernte Nabeul und verbrachten ein paar Stunden dort. Wunderschöne kleine Stadt, einen Besuch wert! Wir kamen zurück ins Hotel und gingen schlafen, am Abend hatten wir wieder vor auszugehen und waren total müde. Unterbrochen wurde unser Schlaf von schrecklich lauter Musik vom Pool. Einfach nur eine Qual sich das anhören zu müssen, dachten wir uns. Abends, wieder das selbe: Party mit den Animateuren. Schrecklich verliebt haben sie sich ja natürlich auch in uns. Und heiraten wollten sie uns.

Wir gingen reiten und Quad fahren, machten ein Nickerchen und setzten diesen Abend dann partytechnisch aus. Wir waren einfach zu kaputt. Deswegen beschlossen die Animateure einfach zu uns zu kommen. Unser Zimmer war eh schon sehr winzig, aber dann auch noch zu 4? Oh man. Naja, wir machten das Beste daraus und tranken gemütlich Wein. Natürlich wollte dann jeder der beiden Herren mit seiner Angebeteten alleine sein. Wieso? Ich wollte nicht mit dem alleine sein. Er war zwar nett und lustig, aber ich nicht interessiert – und machte ihm das auch immer wieder klar. Meiner Freundin ging es ähnlich – nur sie setzte einen drauf und verarschte ihn die ganze Zeit, was ordentlich an seinem Ego kratzte. Der war so angefressen nach einiger Zeit. Heiraten wollten sie uns trotzdem noch. Irgendwann war es dann soweit, ich fragte warum sich hier so viele ältere, single Frauen herumtreiben.

Die kommen und suchen Liebe. Die Männer in ihren Ländern können ihnen nicht geben was sie brauchen. Viele sind alt, dick oder einfach nur nicht schön und glauben hier die Liebe zu finden. Viele von uns wollen nicht hier bleiben, deswegen geben wir ihnen was sie brauchen und sie nehmen uns mit. Manche sind wirklich schon sehr alt, dass finde ich ekelhaft, wenn dann würde ich nur eine in meinem Alter nehmen. Das Aussehen ist unwichtig, das Herz muss stimmen.

Sextourismus ist hier also eher eine Form des Heiratstourismus. Interessant. Viele der Frauen die hier waren, waren wirklich stark übergewichtig und auch sonst nicht sehr schön anzusehen. Fehlende Haare und Zähne waren aber hier kein Minuspunkt. Ganz im Gegenteil, denn diese waren anscheinend besonders leicht zu heiraten. Dann erklärte er mir, dass wir beide heiraten werden, wenn ich mit dem Studium fertig bin. Aha, also war ich jetzt wohl irgendwie verlobt. Danach warf ich ihn quasi raus, ich sagte ihm ich bin unsagbar müde und will einfach nur schlafen. Am nächsten Tag, gingen wir endlich zum Strand. Seit Tagen wollten wir das. Am Strand angekommen, schien die Sonne, das Wasser war warm einfach herrlich. Wir legten uns hin und keine 5 Minuten später, war der Himmel voller Wolken und der Wind machte es fast schon kalt. Genervt und stur wie wir waren blieben wir liegen. Wir deckten uns mit unseren Handtüchern zu und blieben liegen. Wir wollten unbedingt am Strand bleiben, bis es irgendwann doch zu kalt wurde.

Schneller als wir denken konnten, war der Urlaub dann auch schon vorbei. Die beiden Animateure brachten uns gegen ein wenig Geld zum Flughafen. Sie schworen uns die ewige Liebe und ich weiß nicht was noch. Ich kam noch nie mehr oder weniger verlobt aus einem Urlaub zurück. Tja und das interessante ist, dass mein geliebter Verlobter heute in Deutschland wohnt. Er hat schon vor über einem Jahr geheiratet. Schreiben tut er mir trotzdem noch. Was aus dem anderen geworden ist – weiß ich nicht. Meine Freundin antwortet ihm auf seine Nachrichten nicht mehr. An all die einsamen, ungeliebten Frauen da draußen, es gibt also einen Ort, an dem Mann euch liebt, aber nur wenn ihr bereit seid die Männer auch nach Hause mitzunehmen.

Keep your Head up – and your Heart strong.

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