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Schreibt man heute noch Briefe?

Die Kunst Worte auf Papier zu bringen ist irgendwie ausgestorben – zumindest fühlt es sich so an. Postkarten und Briefe gehören beide irgendwie der Vergangenheit an. Wie konnte es passieren, dass etwas so Schönes, so selten geworden ist?Ich liebe es Worte auf Papier zu sehen, es ist wunderschön, vor allem wenn es selber geschrieben ist. Es hat etwas Persönliches, denn jeder Buchstabe, jeder Strich, verrät etwas über die Person die es geschrieben hat. Es zeigt ob die Person chaotisch, organisiert, oder sogar perfektionistisch veranlagt ist. Natürlich, kann ich anhand der Schrift nicht alles herausfinden, aber verraten tut sie viel.

I don’t want you to feel broken
I just want you to feel good
Let’s put away all those past indiscretions
Let it go, do you think you could?

Ich kenne noch genau 2 Menschen die regelmäßig Briefe schreiben, meine Schwester und mich. Ein paar mehr kenne ich, die noch Postkarten verschicken. Meine Wand in der Küche ist voller Postkarten, aus der ganzen Welt. Es ist eine wunderschöne Wand. Voll mit Bildern und Worten. Netten Worten, geschickt von netten Orten. Von jedem Kontinent ist eine Karte dabei. Manche Karten sind von Fremden, also von Menschen die ich noch nie persönlich getroffen habe – andere sind von Freunden, Verwandten oder gar meiner Mitbewohnerin. Doch warum stirbt so was schönes aus? Die einzigen 2 Gründe die mir einfallen sind Geld und Zeit.

I just want you to feel happy
I just want you to be glad
So that every time you wake up
You’re not thinking of someone
Who’s trying to set you back

Vor nicht all zu langer Zeit hat eine Werteverschiebung stattgefunden, „Zeit ist Geld“ lautete die Devise ab dann. Da man meistens weder das eine, noch das andere hat, vergnügt man sich lieber damit Nachrichten so zu verschicken, dass es am wenigsten kostet, und die Nachricht ihren Empfänger so schnell wie möglich erreicht. Das Beste ist ja, dass man mittlerweile fast immer sehen kann, ob der Empfänger die Nachricht gelesen hat oder nicht. Warum brauchen wir diese Infos unbedingt? Ich hab sie fast überall ausgestellt – es macht einen doch wahnsinnig, wenn man weiß der Empfänger hat die Nachricht gelesen und antwortet nicht.

Well good idea, good idea, you keep me waiting round
I’ll just wait here until you decide to come back to town
You don’t call us, alright, you send me a postcard
You send me a postcard
You send me a postcard

Dieses Problem hat man bei Briefen nicht, denn man weiß nicht wann und ob sie ankommen. Erst gestern schrieb ich einen sehr langen Brief. Ich schrieb einen Brief, weil Worte auf Papier viel schöner sind, als auf einem Bildschirm. Ich schrieb einen Brief, weil ich etwas Persönliches kreieren wollte. Ich schrieb einen Brief, weil ich mich nicht traute es auf Facebook oder Whatsapp zu schreiben. Ich schrieb einen Brief, weil ich es nicht persönlich sagen konnte. Ich schrieb mir von der Seele, was ich nicht sagen konnte, ich aber auch nicht weiterhin für mich behalten konnte. Ich schrieb solange, bis die Sinnlosigkeit verständlich und möglicherweise sinnhaft wurde.

Yeah you dream but you have to
Work out the secrets you have
Kiss him under the dream light
Don’t tell me, I won’t ask

Es war mehr oder weniger ein Abschiedsbrief, ein Brief, indem ich jemandem meine Gefühle offenbarte. Ich weiß nicht welche Reaktion zurück kommen wird. Drei Seiten verfasste ich. Drei Seiten, auf denen ich ihm erklärte, wie schön es mit ihm war. spruce-imageDrei Seiten, auf denen ich mich entschuldigte, nicht in der Lage zu sein, so weiter zu machen. Drei Seiten, auf denen ich mir in Gut gegen Nordwind Manier sagte „MARIA, ES IST AUS, DENN ES WAR NIE AN!„. Drei Seiten, auf wunderschönen, französischen Blättern. Drei Seiten voller Gefühle, Angst, Glück, Freude und vermutlich Verzweiflung. Drei Seiten die ich schrieb, und direkt nach dem ich sie schrieb in ein Kuvert packte und dieses schloss, nur um diesen Brief ja nicht noch einmal zu lesen und möglicherweise zu ändern. Oder wegzuwerfen. Drei Seiten, auf denen ich mit jemandem Schluss machte, der nicht einmal mit mir zusammen ist. Drei Seiten, die eine wundervolle Freundschaft wirklich auf die Probe stellen werden.

I just want you to feel happy
I just want you to be glad
So that every time you wake up
You’re not thinking of someone
Who’s trying to set you back

Gut, ich glaube dass nun alle verstanden haben, wie viele Seiten ich geschrieben habe. Beendet habe ich das ganze mit den Worten ( auf Deutsch übersetzt ) :

Nicht jede Geschichte ist eine Liebesgeschichte.
Nicht jede Liebesgeschichte hat ein Happy-End.
Ich hoffe, unsere Geschichte ist noch nicht vorbei.
Ich hoffe unsere Geschichte schließt einfach nur ein Kapitel um Platz für das nächste zu machen.

Keep your Head up – and your Heart strong.

PS: Das Lied heißt „Postcard“ und ist von Jukebox the Ghost.

6 replies »

  1. Jeder trägt einen Brief im Herzen, der geschrieben werden möchte. Ein Schatz von Worten, zwischen Träumen verborgen, die gelebt werden wollen. Die Dir sagen „sei ein Realist und glaube an Wunder“ oder „der Klang deiner Seele ist eine Zauberformel, die gesprochen werden möchte, die ganze Welt wartet auf Dich, so wichtig bist Du“

    Wenn Dir die ganze Welt für 2 Minuten zuhören würde, was würdest Du sagen? Wenn es nur eine Sache geben würde, die Du mit deinem Leben anstellen könntest, was wäre das?
    Lass es deine Postkarte an das Universum sein.

    Liebe Grüße,
    Mark

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  2. „Ich schrieb einen Brief, weil Worte auf Papier viel schöner sind, als auf einem Bildschirm. Ich schrieb einen Brief, weil ich etwas Persönliches kreieren wollte. Ich schrieb einen Brief, weil ich mich nicht traute es auf Facebook oder Whatsapp zu schreiben. Ich schrieb einen Brief, weil ich es nicht persönlich sagen konnte. Ich schrieb mir von der Seele, was ich nicht sagen konnte, ich aber auch nicht weiterhin für mich behalten konnte. Ich schrieb solange, bis die Sinnlosigkeit verständlich und möglicherweise sinnhaft wurde. Drei Seiten, auf denen ich mich entschuldigte, nicht in der Lage zu sein, so weiter zu machen. Drei Seiten, auf denen ich mir in Gut gegen Nordwind Manier sagte “MARIA, ES IST AUS, DENN ES WAR NIE AN!“. Drei Seiten, auf wunderschönen, französischen Blättern. Drei Seiten voller Gefühle, Angst, Glück, Freude und vermutlich Verzweiflung. Drei Seiten die ich schrieb, und direkt nach dem ich sie schrieb in ein Kuvert packte und dieses schloss, nur um diesen Brief ja nicht noch einmal zu lesen und möglicherweise zu ändern. Oder wegzuwerfen.“

    Wunderschön geschrieben. Wunderschön gesagt. Ich musste es mir selbst laut vorlesen und bekam dabei Gänsehaut. Wunderschön einfach nur. 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Oh, wie wunderschön, danke für deinen tollen Beitrag! Ich bin auch noch eine von denen, die Briefe schreiben. Zwar mehr Postkarten (nicht zur aus dem Urlaub) als Briefe, aber immerhin. Regelmäßig zu Weihnachten schreibe ich „Blaue Briefe“ (blaues Briefpapier) an zwei ganz besondere Menschen als Geschenk sozusagen. Ich liebe selbst geschriebene Post. Am Anfang meiner Partnerschaft haben wir uns regelmäßig Postkarten geschrieben, persönlich übergeben oder auch per Post geschickt, immer, wenn wir Lust dazu hatten, nicht nur zu Feiertagen. Heute machen wir das immer noch, wenn auch nicht mehr so oft. Ich liebe diese bunte Vielfalt der Karten, daher schreibe ich lieber solche. Ich habe immer einen großen Vorrat zu Hause. Oft sende ich aus Spaß daran lustige Karten an besondere Freunde.

    Mein Schatz schreibt noch regelmäßig handgeschriebene Briefe an seine Schwester oder seine Freunde in Deutschland.

    Viel Spaß beim Weiterschreiben…

    Liebe Grüße,

    Caroline

    Gefällt 1 Person

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