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Lerne loszulassen und miste dein Leben aus!

Der Mensch hortet, sammelt und konserviert gerne alles was er in die Finger bekommt. Alles erinnerst an irgendwas aus vergangenen Tagen, alles ist – zumindestest emotional gesehen – so kostbar, dass man es behalten muss. Diese Sammelwut führt schnell dazu, dass man schnell in der eigenen Sammelwut erstickt. Ich kam letzte Woche aus Schweden und Dänemark zurück. Dieser Urlaub hat mir letztlich die Kraft gegeben dieses Vorhaben umzusetzen: Ausmisten. Ich miste aus. Ich mistete mein Handy aus, mein Zimmer bei meinen Eltern, mein Zuhause und mein Leben.

Du kannst der Gewinner sein
Von Auto, Haus und Sonnenschein
Ein Aufenthalt im Studio
Mit John, Paul, George und Ringo

  1. Schritt:
    Das Handy. Als ich im Flugzeug zurück nach Wien saß, verpührte ich den Drang beginnen zu wollen. Ich will Ordnung und Klarheit in mein Leben bringen. Und da war es: klein und unschuldig in meiner Tasche. Es speicherte alles automatisch ab, nur um sicher zu gehen dass nichts verloren geht. Als erstes ging es meinen Kontakten an den Kragen: Welche Nummern brauche ich wirklich? Wen zähle ich wirklich zu meinen Freunden und Bekannten? Wen habe ich nur noch als Erinnerung in meinem Handy? Knapp 200 Kontakte. 200? Ich habe doch sicher nicht regelmäßigen Kontakt mit 200 verschiedenen Leuten. Ich setzte mir das – hoffentlich – realistische Ziel meine Kontaktliste zu halbieren. Die alte Schulkollegin die ich eigentlich nie wirklich mochte? Raus damit. Diverse Ärzte? Warum hab ich deren Nummern eingespeichert, ich will die ja nicht mal aufsuchen. Raus damit. Diverse Bekanntschaften und Exfreunde? Raus damit. Gerade ging ich nochmal meine Liste durch, ich weiß nicht mal wen ich noch gelöscht habe, wichtig kanns auf jeden Fall nicht gewesen sein. 104 Kontakte habe ich nun noch in meinem Handy gespeichert. Gut die 4 schaffe ich jetzt auch noch! Einmal ging ich die Liste durch, jetzt habe ich nur noch 99 Kontakte. Ziel erreicht!
    Dann ging es weiter zu allen Nachrichten: überall wo ich die Nummer des Absenders nicht eingespeichert hatte: Raus damit. Alle Nachrichten die älter als ein Jahr waren: Raus damit. Alles sinnlosen Nachrichten: Raus damit. Viel mehr gabs dann auch nicht zu löschen, da ich weder sonderlich viele Apps oder sonst was auf meinem Handy hab. Ein wenig freier.

    Du kannst lieben – Millionen erben

    Bescheiden oder weise werden

    Du kannst der Größte sein

    Und der beste Sänger im Verein

  2. Schritt:

Das Gewand. Das Zimmer bei meinen Eltern. Ich kam um halb 10 Abends in Wien an, stand am nächsten Tag um halb 6 auf um Reiten zu gehen und verbrachte danach den ganzen Tag mit meiner Schwester mit ausmisten. Wichtig hierbei war es, dass wir uns gegenseitig unterstützten. Manches, auch wenn man es nicht wieder anzieht, ist mit so einer starken Erinnerung verbunden, dass man sich nicht davon trennen kann. Als Zwillingsschwestern haben wir vieles gemeinsam erlebt und konnten daher gut abschätzen, was man behalten muss und was weg kann. Die Hose die einem nie wieder passen wird? Raus damit. Die Unterwäsche vom Exfreund? Raus damit. Das Buch, dass ein Geschenk war, aber du niemals lesen wirst? Raus damit. Die Creme die teuer war, aber einfach nicht gut riecht? Raus damit. Die Tasche die man unbedingt wollte aber niemals getragen hat? Raus damit. Die Stofftiere, von denen man nicht mehr weiß wer sie einem schenkte? Raus damit. Das Band-shirt der Lieblingsband aus vergangenen Tagen? Das muss aber bleiben. Als Deko an der Wand zumindest. Den Schuhen ging es auch an den Kragen. Wir füllten die Kisten die wir spenden wollten, und die Müllsäcke die wir wegschmeißen wollten. 6 riesige Umzugskisten und ich weiß nicht wie viele Müllsäcke standen dann herum.

Doch hörst Du noch den kleinen Mann bei StarWars:
Train yourself to let go
Train yourself to let go
Train yourself to let go
Of everything you fear to lose
Du musst Dein Zuhaus‘ verlassen
Lässt es zurück auf fremden Straßen
Weißt nicht, was dich erwartet
Da, wo du hingehst

Später wurde mir klar, warum wir soviel gehortet haben. Mein Vater sagte zu uns „Ihr könnt die Kisten ja beschriften und auf den Dachboden stellen, ihr müsst eure Sachen nicht weggeben, da ist ja noch genug Platz“. Nein, da ist nicht genug Platz. Ich will mein Leben nicht in viele verschiedene Kisten packen und auf dem Dachboden verstauen. Ich will mein Leben leben und es nicht auf dem Dachboden verstauben lassen. Wir waren es gewohnt, dass ausmisten für uns bedeutete Sachen in Kisten zu packen und auf den Dachboden zu tun. Ich schaute ein wenig später auf den Dachboden, und erkannte das Ausmaß dieser Sammelwut: eine Kiste neben der anderen. Alle gut verpackt, gut verstaut mit vielen verschiedenen Aufschriften. Wow. Deswegen brauchen die Menschen wohl so viel Platz. Kein Wunder wenn man 5 Leben in Kisten packt.

Du lernst zu fallen und kannst es wagen
Ist auch die Hoffnung so zerschlagen
Hier bleibt ein Zähler wie
Mit Deiner Philosophie

Gut ich gestehe, fertig bin ich noch nicht. Ich werde heute zu meinen Eltern fahren und es vollenden. Aufräumen, putzen, alles was dazu gehört. Und in 2 Wochen werde ich zu meinem Exfreund fahren, und mir alles nehmen was mir gehört. Den Großteil werde ich vermutlich spenden, da ich selber nicht weiß was ich damit anfangen soll. Aber ich fühle mich jetzt schon befreit. Befreit von all dem Gerümpel, all dem nutzlosen Zeug dass sich in 22! Jahren ansammelte. Befreit von einigen Teilen meiner Vergangenheit, die in materieller Form an mir hafteten. Einfach Befreit. Es war nicht leicht, aber es tat richtig gut.

Möglicherweise habe ich jetzt einige von Euch auch dazu bewegt auszumisten, falls ja freue ich mich meine „Tipps“ mit Euch zu teilen:

  • Realistisch bleiben: Man kann sich nicht von allem trennen.
  • Das was weg soll, unbedingt in eine Kiste oder einen Müllsack packen, nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“.
  • Wenn man sich nicht sicher ist, einen außenstehenden Fragen, die können mit Rat und Tat zur Seite stehen.
  • Ein Schritt nach dem anderen, sonst versinkt man im Chaos.
  • Musik kann motivieren. Mir half das Lied, das ich hier benutzte: Pohlmann mit „Starwars“.
  • Alles was in Ordnung ist spenden, so tut man was gutes und fühlt sich auch gut.
  • Belohn dich, du hast es verdient!
  • Und ganz wichtig: Mache dir einen fixen Termin aus, am besten mit einem Freund oder Freundin.

Keep your Head up – and your Heart strong.

13 replies »

  1. Loslassen und ausmüllen ist ein Thema. Ich kann sehr schlecht loslassen, aber es wird…. Jetzt werde ich mal wieder den Kleiderschrank angehen und spenden….. Gerade in der heutigen Flüchtlingszeit, kann man schon direkt helfen…

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  2. Ich habe es geschafft alles in meinem Leben zu-löschen!
    Das hat mich so richtig befreit, indem ich meine persönliche Geschichte so zusagen Auge um Auge Zahn um Zahn vollständig gelöscht habe.
    Ich habe mein Boden gleichgemacht bzw. neutralisiert und meine gute und schlechte Gedanke durch die Ewigkeiten voneinander getrennt.

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  3. Ich habe es auch vor Kurzem getan und meine Wohnung von unnötiger Deko, Möbel, Kleidung, Geschirr und Büchern befreit und damit auch mein Inneres befreit, alles zu kleinen Geschenkboxen zusammengepackt und auf der Straße verschenkt, war ein unglaubliches Glücksgefühl!

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  4. Ich liebe Ausmisten, es tut einfach so unfassbar gut, das geht gar nicht! 😀 Aber ich muss auch sagen, dass ich Zeit brauche, um bestimmte Dinge loszulassen, besonders wenn’s was emotionales ist.

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