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Die Tinder-Kinder

„Ach Herrje, schon wieder Tinder?“ müssen sich wohl einige unter Euch denken. Ja schon wieder. Wieso? Weil es – traurigerweise – noch immer nicht an Aktualität verloren hat. Es wurde eigentlich noch schlimmer, würde ich fast sagen.Woher ich das weiß? Berechtigte Frage. Ich fühle es in meinem tiefsten Inneren. Ok, Spaß bei Seite. Ich weiß es, weil die meisten Leute durch Sucheingaben wie „Tinder One night Stand“, „Tinder Sex“, „Nur Sex bei Tinder“ oder „Was tun nach einem Match auf Tinder“ zu meinem damaligen Beitrag kamen „Tinder- der One-Night-Stand Finder„. Höchst interessant was die Menschen so alles im Internet suchen. Wie viele damit zu mir kamen, will ich gar nicht sagen, es reicht wenn ich die erschreckende Wahrheit kenne.

Ich habe festgestellt, diese App erleichtert einem das Kennenlernen. Doch zu welchem Preis? Man schreibt mit irgendwelchen Fremden, die  faul, verzweifelt und zu was auch immer sind um andere Menschen auf dem herkömmlichen Weg kennenzulernen. Ich lernte viele Männer kennen, traf mich aber mit keinem einzigen, was keiner verstand. Ich wollte es nicht, ich will Menschen nicht so kennenlernen. Lieber lerne ich jemanden betrunken in einem Club oder einer Bar kennen, als über eine App.

Wo wir schon bei der Bar sind: letztens war ich aus, und sah einen jungen Mann, der relativ gut aussah und sein Handy in der Hand hielt. An der Bar, stand er schräg vor mir, sodass ich ein paar neugierige Blicke auf sein Handy werfen konnte. Ja ich weiß, dass man nicht neugierig auf andere Handys schauen soll. Ich habs trotzdem getan und bin sogar sehr amüsiert über das was folgte. Also der gutaussehende Mann, mit dem Handy in der Hand, stellte grade auf Tinder ein, dass man ihm nur noch die Frauen anzeigte, die sich in einem Radius von einem Kilometer befinden.

Wie ich halt bin, konnte ichs mir nicht verkneifen und sprach ihn an. Fragte ihn wieso er da sei, mit wem er da sei und und und. Stefan, so hieß der Mann, sagte mir, er trinkt hier mit seinen Freunden ein paar Bier, bevor es in den Club geht. Er wirkte total nett und fragte mich was ich beruflich denn so machen würde. Meine Antwort war “ Ich arbeite in einer Redaktion. Momentan schreibe ich über diese komische App namens Tinder“. Er erklärte mir wie aus der Pistole geschossen, dass er auch diese App nutzt, um „schnelle Nummern“ klar zu machen, doch was längerfristiges könnte er sich niemals vorstellen. Er zeigte mir sein Profil, die Frauen mit denen er schrieb und zeigte mir mit welchen Damen er sich schon traf. Seine Bilder zeigten ihn natürlich von seiner besten Seite, der sportliche, gut verdienende, gut aussehende Typ halt.

Natürlich kann ich nicht bestätigen was er mir erzählte, doch anscheinend traf er sich, seit dem er angefangen hat diese App zu nutzen ( um Weihnachten herum) mit ca. 15 Frauen. Das geht ja, sind 2-3 Frauen im Monat. Aber die Tatsache, dass er keine einzige von ihnen wieder traf war ein wenig erschreckend, denn “ Nur die billigen und willigen Weiber benutzen das, die gescheiten und lieben findest ja nur im wahren Leben“. Mit 6 von diesen 15 Frauen endete der Abend im Bett, aber nicht nur um zu kuscheln. Bei dieser Quote, die einfach mal angenommen wahr ist, ist es nicht verwunderlich das der Ruf dieser App zu wünschen übrig lässt. Dann erzählte er mir, er halte zwar die Augen nach der richtigen offen, doch bis dahin will er auf Spaß nicht verzichten, und bewertete vergnüglich die Frauen die sich in seinem Radius befanden. Es war schon spannend mal auf der anderen Seite zu stehen. Ich stellte da auch fest, dass einige Freundinnen von mir auf dieser App zu finden sind. Auf der anderen Seite hätte ich es mir aber denken können, denn zu einer wilden nacht sagen sie selten „nein“.

Er erklärte mir, dass man die Mädchen in Kategorien sortieren kann: die bei denen man sofort zur „Sache“ gehen kann, und jene die ein wenig Smalltalk brauchen. Er irrte sich zwar hin und wieder, aber oft genug lag er falsch. Und ich wurde sogar Zeuge davon wie schnell das gehen kann. Wir unterhielten uns fast eine halbe Stunde, bis er ein Mädchen so weit hatte ( das er ein paar Minuten zuvor „kennengelernt“ hat), sich noch in dieser Nacht mit ihm zu treffen. Obwohl er direkt vor meinen Augen eine andere Frau „klarmachte“, ließ er bei der Verabschiedung nichts unversucht um nicht auch an meine Handynummer zu kommen. Tja leider nicht mit mir. Zu dumm, dass ich ihm meinen Namen verriet und er mich einen Tag später sofort auf Facebook fand…

Keep your Head up – and your Heart strong.

6 replies »

  1. Tinder > Verliebt > Verheiratet plus Kind. So ging es mir. Tinder war mein erster Online-Dating Versuch überhaupt. Nach vielen Jahren „herkömmlicher“ Beziehungsfindung.
    Verallgemeinerungen sind schade und werten jeden noch so gut gemeinten Artikel oder Blogeintrag ab. Ich kenne beide Seiten und war bei beiden glücklich und zufrieden.

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Tinderella,
      Ich bin froh, dass bei Dir alles so gut lief. Hier jedoch handelte es sich lediglich um meine Erfahrungen handelt. Es handelt sich nicht um einen objektiven Bericht, sondern um die subjektive Schilderung meiner Erlebnisse.

      Gefällt mir

  2. Ich finde das leider totaler Quatsch. Wieso ist es besser jemanden betrunken in einer Bar kennenzulernen als über Tinder? Wieso sind die „Gescheiten“ nicht bei Tinder und nur die „Billigen“? Wer sagt dass Tinder eine App ist nur um Sexdates klar zu machen? Ich habe dazu auch einen Beitrag geschrieben und denke dass Tinder genauso funktioniert wie das Nachtleben einer deutschen Großstadt: Wer nen ONS sucht, findet dort was er sucht. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass man dort einen Beziehung findet. (https://carpediesenscheissdiem.wordpress.com/2015/06/09/tinder-ist-nichts-anderes-als-das-nachtleben-einer-deutschen-grosstadt/)

    Gefällt 1 Person

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